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Triff den Teufel – Glyn Dilley als Mephisto

‘‘Ich habe alle gespielt – vom Rattenkönig bis zu König Lear.“

Glyn Dilley, der in der Küstenstadt Morecambe in Lancastershire geboren wurde, war bereits berühmt als er die Schule verließ. Da war er schon im West End aufgetreten. Ein berauschender Start für den jungen Darsteller mit der klassischen Schauspielausbildung. In The Last Faust spielt er den doppelzüngigen, dämonischen Hedgefonds Manager Mephisto, doch in dieser Geschichte hat die Sache einen besonderen Twist.

„Meine erste Schauspiel-Erfahrung machte ich als Joseph im Krippenspiel meiner Schule. Schon damals war mein Schicksal besiegelt. Ich trat in vielen Schulproduktionen und Laienschauspielgruppen auf. Besonders bemerkenswert war mein Auftritt in Peter Schaffers Stück Die Jagd nach der Sonne, in dem ich den Inka-Herrscher Atahualpa spielte. Das Theater unserer damaligen Schauspielgruppe lag im West End (von Morcambe) und meine damalige Schule stand um die Ecke vom Broadway (von Morcambe). Das wurde ein Running Gag.“


Glyn Dilley ©Daniele Mah

Dilley wurde an der angesehen Rose Bruford Drama School im Süden Londons ausgebildet. Er machte seinen Abschluss 1976 und gehörte damit zu den allerersten Absolventen der neu gegründeten Institution, zu deren Stiftungskuratorium John Masefield, Sir Laurence Olivier und Dame Peggy Ashcroft zählten. Unter den ehemaligen Studenten befanden sich Stephen Graham und Oscar-Preisträger Gary Oldman.

„Bei der Sprecherziehung an der Schauspielschule habe ich gelernt, Blankverse vorzutragen. Das war bei The Last Faust sehr hilfreich, denn das Stück ist ja in Reimen verfasst. Da war es von Vorteil, die Struktur dieser Sprache zu verstehen und umsetzen zu können.

Nach meinem Abschluss machte ich viele verschiedene Sachen, auch viel Pantomime. Man kann sagen, in meiner Karriere habe ich schon fast alle gespielt, vom Rattenkönig bis zu König Lear.“


Mephisto und eine jubelnde Menge @The Humm Collection

Den König Lear gab Dilley beim Edinburgh Festival Fringe, in einer Produktion die man direkt auf ihn zugeschnitten hatte und die von der Kritik gefeiert wurde.

Inzwischen lebt Dillley mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Wiltshire, wo er gerade ein Stück schreibt und an anderen Projekten arbeitet. Er spricht wohltuend offen über die Probleme des Schauspielberufs und darüber, dass zu dieser Karriere eine ständige Unsicherheit und gewisse Risiken gehören.

„Das Dasein als Schauspieler ist schwierig. Es gab Zeiten, wenn auch nur kurze, in denen ich damit aufgehört hatte. Als meine Kinder klein waren, hatte Stabilität Vorrang. Damals lehrte ich einige Jahre Darstellende Kunst. Das war gut, denn so konnte ich auch Regie führen.

Als Schauspieler muss man die Menschen verstehen, ihr Verhalten begreifen, sich in sie hineindenken. Für viele geht es beim Schauspiel nur um die Unterhaltung. Aber man kann diese Kunstform moralisch damit rechtfertigen, dass sie den Leuten erlaubt, Einblicke ins Denken anderer zu erlangen und sich dadurch selbst besser zu verstehen.“

In seiner Karriere hat Dilley viele legendäre und magische Figuren gespielt. Darunter König Arthus, Odysseus, Prometheus und Merlin. Alles Helden. Doch Dilleys Frau sagt, wegen seines Charakters und seines künstlerischen Werdegangs sei er eher dazu berufen, Schurken und Bösewichte zu verkörpern. Konstruktive, eheliche Kritik in Bestform.


Die Wette zwischen Teufel und Gott ©The Humm Collection

„Ehrlich gesagt war ich ziemlich überrascht, als ich eingeladen wurde, für die Rolle des Mephistos vorzusprechen. Die Figur passt gar nicht zu den Rollen, die ich bis dahin gespielt hatte, und ich war nur in wenigen Filmen zu sehen gewesen. Ich war sehr erfreut über diese Chance.

Allerdings hatte ich davor doch schon einmal einen Schurken gespielt: James Earl Ray, den Mann der Martin Luther King erschoss. Meine Frau sagt bis heute, das sei meine beste Leistung gewesen. Unglaublich!

Bei meinem Vorsprechen war Philipp unglaublich höflich. Er schien sich wirklich dafür zu interessieren, was ich machte. Ich fühle mich vom ersten Augenblick ganz entspannt in seiner Gegenwart. Das ist eines der Dinge, die so besonders an ihm sind. Er ist ein ernstzunehmender Künstler, der viele wichtige Dinge zu sagen hat. Und er bringt sie auf ganz außergewöhnliche Weise zum Ausdruck. Dabei ist er sehr bescheiden und sehr respektvoll im Umgang mit uns Schauspielern. Deshalb musste am Set auch niemand nervös sein.

Mir gefiel auch der Avant-Garde-Charakter der Produktion. Ich war von allen Facetten des The Last Faust begeistert. Du erhältst nur selten die Chance, an einem Projekt mitzuarbeiten, das deine Wahrnehmung verändert und dich in eine Position bringt, in der du bis dahin noch nie warst. Das sind die spannendsten Momente für einen Schauspieler, nur so kann man sich weiterentwickeln.“


Kuss des Todes ©The Humm Collection

Über seine Figur Mephisto sagt Dilley, dass das Drehbuch den Charakter dieses Wesens sehr klar umrissen habe. So habe er problemlos in die heimtückische Persönlichkeit des Dämons schlüpfen können.

„Es war witzig. Als ich den Begriff „Hedgefonds Manager“ bei Google eingab, zeigte die Suche die Fotos vieler Männer an. Sie waren fast alle männlich und weiß, trugen graue Anzüge und die meisten hatten sich den Kopf rasiert. Ich dachte: „Großer Gott, wie gruselig. Die sehen alle aus wie ich. Oder eben wie Mephisto.“

Was könnte schlimmer sein als ein fieser, arroganter Dämon?

Hedgefonds-Manager/Mephisto Glyn Dilley ©The Humm Collection

„Meine größte Sorge war, ob ich gut mit dem Darsteller des Faust harmonieren würde. Wir hatten ja viele gemeinsame Szenen. Zum Glück verstanden wir uns prächtig. Martin Hancock und ich sind völlig unterschiedlich aufgewachsen und unsere Karrieren sind auch ganz unterschiedlich verlaufen, aber es war eine große Freude, mit ihm zu arbeiten. Ich hoffe, die Zuschauer spüren, wie gut die Chemie zwischen uns war.“

Fast alle, die an The Last Faust mitgearbeitet haben, schwärmen von der beeindruckenden visuellen Ästhetik des Werks. Für Dilley war dieser Aspekt besonders wichtig, denn er sieht sie als Erinnerung daran, dass es viele Künstler und Filmemacher gibt, die bereit sind Risiken einzugehen und die Grenzen des Kinos neu zu definieren.

„Der Look des Films hat mich umgehauen. Ich habe lange überlegt, mit wem man Philipp vergleichen könnte und ich musste bis zu Autorenfilmern wie Ken Russel (Die Teufel, Lisztomania) zurückgehen. Der ist ihm vielleicht noch ähnlicher Als Peter Greenaway (Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber, Verschwörung der Frauen). Ich glaube, der Film ist ein Palimpsest des Faust. Philipp hat den ursprünglichen Text genommen und seine eigene Interpretation darübergelegt. Das ist ganz wundervoll.“

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